Freitag, 16. Januar 2009

Ein Augenblick Freiheit

Österreich, Frankreich 2008
R: Arash T. Riahi
D: Navid Akhavan, Pourya Mahyari, Elika Bozorgi, Sina Saba, Fares Fares, Michael Niavarani

Leben im iranischen Gottesstaat, das bedeutet: sich anpassen oder kämpfen und sterben. Als letzter Ausweg bleibt vielen nur die Flucht in die Türkei und quälendes Warten auf Asyl.

"Ein Augenblick Freiheit" zeigt das Schicksal verschiedenster iranischer Flüchtlinge. Da sind etwa die Kinder Azy und Arman, die von ihrem Onkel Ali und dessen Freund Merdad zu ihren Eltern gebracht werden sollen, die bereits in Österreich leben. Hassan hingegen verlässt den Iran mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn, in der Hoffnung auf eine Zukunft in Freiheit.

Nach der abenteuerlichen Flucht über schneebedeckte Berge landen sie in einer schäbigen Absteige im türkischen Ankara, wo ein schleimiger Hotelbetreiber Kapital aus ihrer Notsituation schlägt. Ebenfalls dort gestrandet sind der schwermütige politische Aktivist Abbas, sowie der Kurde Manu, ein unverbesserlicher Optimist, der von einem schönen Leben in Deutschland träumt, mit Pool und Mercedes.

Für einen Augenblick genießt man die Freiheit in der Türkei, wo man sich frei bewegen und seine Meinung äußern kann. Doch schnell werden die Flüchtlinge von der Realität eingeholt, es beginnt eine zermürbende Zeit des Wartens auf einen positiven Asylbescheid, der die Ausreise in ein Drittland erlaubt. Nächtelang campieren Flüchtlinge vor dem Gebäude der UNO, schlagen sich mit der Bürokratie herum, während die Ersparnisse langsam schwinden. Hinzu kommt die ständige Angst vor der Abschiebung und vor dem iranischen Geheimdienst.

Doch trotz aller Tragik der dramatischen Lebensumstände bleibt auch Raum für Humor, etwa die ganz eigene Sicht der kleinen Kinder auf die ungewohnte Situation oder der schrullige Manu (Fares Fares), der sich nie unterkriegen lässt und eine irre Idee nach der anderen hat. Wenn er Hühnchen essen will, dann erlegt er eben einfach einen Schwan, das ist auch nur ein großes Huhn….

Regisseur Arash T. Riahi ist selbst als Kind mit seinen Eltern aus dem Iran nach Österreich geflohen, er verarbeitet mit seinem Spielfilmdebüt seine eigenen Erfahrungen und weitere authentische Geschichten. Ihm gelang ein poetischer und rührender Film über Heimat und Identität, sowie ein eindringliches Plädoyer für mehr Toleranz.

"Ein Augenblick Freiheit" zeigt, mit welchen Ängsten und Problemen Flüchtlinge zu kämpfen haben und unter welchen Umständen Menschen dazu gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Darüber sollten jene einmal nachdenken, die gern unreflektiert über "die Ausländer" schimpfen.

7/10

https://www.foramomentfreedom.com

Dienstag, 13. Januar 2009

rodeln. nachts.

P1010163

die neigungsgruppe "sport, alkohol und sonstiger blödsinn" des festspielhauses STPRockCity hatte am vergangenen freitag mal wieder ein auswärts-event. mitarbeiter und -innen von abenddienst, technik, büro und kulturcafé erklommen gemeinsam des nächtens den tirolerkogel in annaberg, ausgestattet mit tee, merci und marillenschnaps, um sich anschließend furchtlos und todesmutig auf rodeln und skibockerln den hang hinunter zu stürzen. zu guter letzt gab's dann im kulturcafé leckeren glühmost.

P1010180

schön war's, kalt auch. 1.300 m seehöhe, -11°C, fast vollmond und die erkenntnis, dass es an der zeit ist, sich doch mal gscheite funktionskleidung zu leisten, weil völlig nass geschwitzte baumwoll t-shirts bei minusgraden nicht grad lustig sind.

weitere fotos hier

ich wünscht' ich wär ein hund...

funny pictures of dogs with captions
see more puppies

Donnerstag, 8. Januar 2009

Lemon Tree

Israel, Deutschland, Frankreich 2007
R: Eran Riklis
D: Hiam Abbas, Ali Suliman, Rona Lipaz-Michael, Doron Tavory


Ein Zitronenhain in der Westbank wird zum Politikum. Eran Riklis Film beschreibt einfühlsam und humorvoll den ganz normalen Wahnsinn im Nahen Osten, im Moment leider hochaktuell.


Die palästinensische Witwe Salma (tief beeindruckend und heroisch: Hiam Abbas) bewirtschaftet einen Zitronenhain in der West Bank, unmittelbar an der Grenze zu Israel. Als ausgerechnet der israelische Verteidigungsminister (Doron Tavory) in das Haus gegenüber einzieht, gelten die Zitronenbäume plötzlich als Sicherheitsrisiko. Weil der Geheimdienst fürchtet, Terroristen könnten sich zwischen den Bäumen verstecken, soll die Plantage abgeholzt werden.

Doch Salma setzt sich zur Wehr, denn der Zitronenhain ist alles was sie besitzt. Im Kampf für ihre Bäume zieht sie gemeinsam mit dem jungen palästinensischen Anwalt Ziad Daud (Ali Suliman) bis vor den Obersten Gerichtshof. Dabei entwickelt sich eine tiefe Zuneigung zwischen den beiden, doch als verwitwete arabische Frau wird Salma von strengen Traditionen eingeschränkt. Anstatt sie in ihrem Rechtsstreit zu unterstützen, begegnen ihr die Männer in ihrer Umgebung mit Argwohn, weil sie sich mit dem jungen Anwalt trifft.

Der „Zitronenkrieg“ erregt auch die Aufmerksamkeit der Medien, sogar international. Während der Minister nicht nachgeben will bzw. kann, bewundert dessen Frau Mira (Rona Lipaz-Michael) die arabische Nachbarin für ihren Mut. Mira fühlt sich unglücklich und einsam in ihrer Ehe. Über die streng bewachte Grenze hinweg entsteht eine starke Sympathie zwischen den beiden Frauen, die in verschiedenen Welten leben und dennoch viel gemeinsam haben.

Salmas Kampf gegen die israelische Bürokratie zeigt auf eindrucksvolle Weise, mit welchen Problemen sich die Menschen im Nahost-Konflikt tagtäglich herumschlagen müssen. Trotz der ernsten Lage entstehen immer wieder absurd-komische Situationen, etwa dass man nicht nach Hause fahren kann, weil Straßen plötzlich von der Armee gesperrt werden oder dass Salma ihren eigenen Garten nicht betreten darf. Man sieht auch eindeutig den Unterschied zwischen den beiden Völkern: auf dem Gebiet der Palästinenser wirkt alles beengt, die Autos sind alt und rostig, die Häuser klein und schäbig, der Putz bröckelt von den Wänden – nur der Zitronengarten ist ein Ort der Ruhe und Schönheit. Auf der israelischen Seite der Grenze gibt es hingegen das riesige, luxuriöse Haus des Ministers, breite und saubere Straßen – aber auch allgegenwärtige Angst.

"Lemon Tree" ist nicht nur einen kluger, humorvoller Film zu einem politisch hoch brisanten Thema, vor allem zeigt er die Schicksale hinter den Schlagzeilen, die uns aus der Region erreichen. Er vermag damit mehr Verständnis für die Lage im Nahen Osten zu erzeugen als so manche Analyse politischer Experten.

8/10

https://www.lemontree-derfilm.de/

Mittwoch, 31. Dezember 2008

Jahresrückblick Musik 2008 (Alben)

1. Kate Nash – Made of Bricks
2. Grace Jones – Hurricane
3. Peter Fox – Stadtaffe
4. Richter - Audioexile
5. Jamie Lidell – Jim
6. Glen Hansard & Marketa Irglova – Once Soundtrack
7. Deichkind – Arbeit nervt
8. Gustav - Verlass die Stadt
9. Catpower – Jukebox
10. Mia – Willkommen im Club

the cause of bad hair days

The cause of bad hair days...  ... and horrible dreams
more animals

aber ich hab ja gar keine katze und meine haare feiern nachts ohne mich ne party!??

Dienstag, 30. Dezember 2008

Jahresrückblick 2008 - Film

Wie jedes Jahr an dieser Stelle - mein Faible für Listen.

Filme 2008, in my humble opinion
1. The Dark Knight
2. Brügge sehen … und sterben?
3. Let’s Make Money
4. There Will Be Blood
5. Once
6. You Kill Me
7. Eastern Promises
8. So viele Jahre liebe ich dich
9. Juno
10. Mamma Mia! (v.a. wegen Meryl Streep)

Animation
1. Madagaskar 2
2. Kung Fu Panda
3. Wall-e

Zu "Dark Knight" sag ich nicht viel, darüber wurde ja überall sehr viel geschrieben. Und er ist wirklich so gut. Heath Ledger gibt den Irren so intensiv, dass man Gänsehaut bekommt.

Zu "Brügge..." - Colin Farell's beste Rolle ever, weil er einfach völlig anders ist als sonst, er wirkt total jung und unreif, als wäre er allerhöchstens 20, er ist völlig mit den Nerven fertig und auch nicht besonders helle. Für einen, der in SWAT oder Daredevil die harte Sau gegeben hat, eine reife Leistung. Auch das Drehbuch ist genial, es gibt saukomische Dialoge und sehr schräge Charaktere, erinnert an Tarantino oder Cohens, ist aber noch ein bisschen besser als diese. Der Film hat irgendwie viel weniger Beachtung bekommen als er verdient.

Bevor jemand schreit, folgende wurden nicht berücksichtigt, weil ich sie noch nicht gesehen habe:
I’m Not There, Revanche, Gomorrha, Control, Waltz With Bashir, Into the Wild

Der Musik-Rückblick folgt in den nächsten Tagen, da geh ich noch in mich.

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